Schulungsabend zum Benchmark-Projekt der A.L.S.


Großes Interesse an Betriebszahlen und Erfahrungsaustausch im Obstbau
Am 4. März 2026 fand im Bildungshaus Lichtenburg in Nals ein Schulungsabend der A.L.S. zum Projekt „Benchmark“ statt. Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Obstbau folgten der Einladung
und nutzten die Gelegenheit zum fachlichen Austausch über Betriebszahlen, Kostenstrukturen und betriebliche Entscheidungen.
Zu Beginn begrüßte Klaus Kapauer von der Arbeitsgruppe Obstbauseminar A.L.S. die Teilnehmer und freute sich über den erneut großen Zuspruch zum Projekt.
Das Benchmark-Projekt der A.L.S. wurde vor rund sechs Jahren gestartet. Während zu Beginn etwa 1.000
Waggon an Produktionsdaten erfasst wurden, lag die Menge bei der letzten Ernte bereits bei rund 2.500 Waggon – rund 500 mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt umfasst die Datenbasis mittlerweile eine Produktionssumme von rund 15 Millionen Euro. Damit steht den teilnehmenden Betrieben eine immer breitere und aussagekräftigere Datengrundlage zur Verfügung, aus der wichtige Erkenntnisse für betriebliche Entscheidungen gewonnen werden können.
Im Mittelpunkt des Abends stand das Thema Aufzeichnungen im Betrieb und der Umgang mit betriebswirtschaftlichen Zahlen.
Den Einstieg machte der Obstbauer Heinz Atz, der von seinen Erfahrungen aus fast 50 Jahren betrieblicher Aufzeichnungen berichtete. Bereits in den 1970er-Jahren begann er mit Karteikarten für jedes Sortenquartier. Darin hielt er Maßnahmen, Kosten und Planungen der einzelnen Arbeitsgänge fest. Entscheidungen im Betrieb sollten nicht allein aus dem Bauch heraus getroffen werden, sondern auf Grundlage konkreter Zahlen.
Dabei zeigte sich immer wieder, dass sich vermeintlich gute Obstflächen bei genauer Analyse als wirtschaftlich schwächer erweisen können – ein wichtiger Hinweis für Entscheidungen wie Rodungen oder Pachtverhältnisse.
Ein zentraler Punkt seiner Erfahrungen ist die konsequente und zeitnahe Dokumentation der Arbeiten.
Werden Aufzeichnungen erst Tage später nachgetragen, steigt der Aufwand deutlich und die Erinnerungen werden ungenauer. Gleichzeitig betonte Atz, dass auch die Freude an Zahlen eine wichtige Voraussetzung sei: Jeder landwirtschaftliche Unternehmer müsse seine wirtschaftlichen Kennzahlen kennen.
Über aktuelle Entwicklungen im Bereich der digitalen Unterstützung berichtete anschließend Udo Giacomozzi von Smartfarmer. Er stellte neue Funktionen seines Programms vor, die den teilnehmenden Betrieben die Aufzeichnungen erleichtern und Auswertungen über mehrere Jahre hinweg übersichtlicher darstellen sollen. Zudem gab er einen Ausblick darauf, wie künftig auch künstliche Intelligenz Landwirte bei Datenerfassung und Analyse unterstützen könnte.
Zum Abschluss präsentierte Christian Gruber vom Roi Team eine Analyse der aktuellen Betriebszahlen aus dem Benchmark-Projekt. Dabei ging er sowohl auf die Ergebnisse des letzten Jahres als auch auf Durchschnittswerte der vergangenen sechs Jahre ein. Ein besonderer Vorteil des Projektes liegt darin, dass die teilnehmenden Betriebe selbst Filter setzen und ihre Ergebnisse mit vergleichbaren Betrieben oder mit mehrjährigen Durchschnittswerten vergleichen können.
Die Auswertungen zeigen, dass der Obstbau in Südtirol weiterhin Potenzial besitzt. Gleichzeitig wurde auch deutlich, dass Obstbau nicht in jeder Lage und für jeden Betrieb gleichermaßen wirtschaftlich betrieben werden kann. Entscheidend bleibt letztlich die Erlösseite, während gleichzeitig eine genaue Kenntnis der eigenen Kosten für eine nachhaltige Betriebsführung unerlässlich ist.
In der anschließenden Diskussion wurde intensiv über Fragen der optimalen Betriebsgröße und über zukünftige Herausforderungen im Obstbau gesprochen. Dabei zeigte sich, dass die ideale Betriebsgröße stark von der individuellen Situation der Betriebe abhängt. Für einen hauptberuflichen Obstbaubetrieb wird heute jedoch vielfach eine Fläche von rund fünf bis sechs Hektar als notwendig angesehen.
Der Abend klang bei einem gemeinsamen Umtrunk und weiterem Austausch unter den Teilnehmern aus.