Benchmark Projekt A.L.S.


Am 6. August 2025 lud der Absolventenverein Landwirtschaftlicher Schulen (ALS) – Bezirk Bozen -, in Zusammenarbeit mit Christian Gruber (ROI TEAM), Udo Giacomuzzi (SmartFarmer) und Simon Wieser (Beratungsring) zur Sommerflurbegehung im Obstbaubetrieb Graf Kuenburg, Auhof in Grutzen ein. Ziel war: Besichtigung einiger interessanter Obstanlagen aus dem Projekt BENCHMARK A.L.S. Dominik Ebner- Betriebsleiter am Auhof- führte durch den Betrieb und erläuterte anbautechnische Details. Anschließende gab es vor Ort eine ausführliche Diskussion mit Christian Gruber und Udo Giacomuzzi über Zahlen, Ergebnisse und softwaretechnische Lösungen des Projektes. Koordinator des A.L.S Benchmarkprojekts Klaus Kapauer, konnte in etwa an die 40 interessierte Obstbauern begrüßen.
Benchmark ist ein Projekt zur Betriebswirtschaftlichen Datenerhebung, initiiert vom Absolventenverein im Jahre 2020, an dem an die 80 Obstbaubetriebe teilnehmen und zurzeit sich in etwa 65 Betriebe über ein gesamtes Produktionsvolumen von 20.390 t aktiv beteiligen. Benchmark bedeutet auf Deutsch „Maßstab“, „Referenzwert“ oder „Vergleichstest“.
Die dem Projekt angeschlossenen Betriebe erheben ihre betriebswirtschaftlichen Daten, geben sie in einem vom ROI TEAM erarbeiteten und von Smartfarmer betreutem Softwaresystem ein und erhalten somit die Möglichkeit die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse verschiedener Anlagen einmal innerhalb des eigenen Betriebes zu vergleichen, aber auch mit einer Vielzahl anderer Anlagen der dem Benchmark – Projekt angeschlossenen Betriebe. Der Vergleich, eben das „benchmarking“, liefert für die betriebswirtschaftliche Analyse und für die Betriebsführung wertvolle Informationen und weitreichende Entscheidungshilfen.
Am Auhof wurden drei interessante Vorzeige Anlagen besichtigt (Red Pop, Fuji und Brabeurn). Interessant deshalb, weil sich das betriebswirtschaftliche Ergebnis aller drei Anlagen sehen lassen kann, wenn der Ertrag pro Hektar und die Qualität stimmt. Red Pop kann wegen seiner kleinen Fruchtgröße problematisch sein, Fuji wegen seiner Alternanz und Braeburn wegen seiner relativ niedrigen Preise.
Die Betriebswirtschaftlichen Daten sprechen klar: beim wirtschaftlichen Ergebnis im Obstbau zählen nicht primär die Produktionskosten, sondern vielmehr die Bruttoeinnahmen. Dabei zählen eben nicht die Waggon – , sondern die € pro ha. Sprich Menge und Qualität und der entsprechende Preis. Bei den Kosten kann man hunderte Euro sparen oder mehr ausgeben, bei den Einnahmen aber sind tausende Euro im Spiel, die gewonnen oder nicht eingenommen werden. Im Obstbau sind die „größten Kosten“ die Einnahmen die möglich wären, aber nicht erzielt werden. Dass dabei die Erträge pro ha eine entscheidende Rolle spielen, weiß jeder. Wie groß aber die Unterschiede von Anlage zu Anlage, Sorte zu Sorte und Betrieb zu Betrieb sein können, wird erst durch Vergleiche, eben dem benchmarking, deutlich. Dabei kann die Spannbreite mitunter enorm sein. Deshalb ist auch nie der Vergleich einer Anlage zum Durchschnitt anderer Anlagen aussagekräftig, sondern jener mit den Besten.
Wenn man die vielen Anlagen die in Benchmark-Projekt des ALS vergleicht, geht deutlich hervor, die Mehrzahl der Anlagen befinden sich im mittleren Teil der Rangordnung, Sorgen bereiten müssen jene Anlagen die sich im unteren Drittel befinden, aber alle sollten sich an das obere Drittel orientieren.
Die Daten, die das ROI TEAM erarbeitet sind allen Teilnehmern des Projektes anonymisiert zugänglich. Die 65 teilnehmenden Betriebe verfügen zurzeit zwar schon über betriebswirtschaftliche Daten von einer stattlichen Anzahl an Anlagen, aber es könnten noch viel mehr sein. Je mehr Betrieb sich am Projekt beteiligen, desto stärke die Aussage der Ergebnisse der entsprechenden Analyse. Der Aufwand für die Erhebung der Daten hält sich in Grenzen. Die Daten über Produktionsmengen, Sortierergebnisse und Erlöse, können relativ unkompliziert über Smart Farmer in Zusammenarbeit mit VOG-ViP direkt digital eingelesen werden, die Kosten über die Erfassung der Rechnungen über den Südtiroler Bauernbund. Verbleibt der Aufwand den die Erhebung, Eintragung und Weiterleitung der Arbeitskosten erfordert. Dieser Aufwand belastet zeitlich den Betriebsleiter in minimalster Weise, erfordert aber Konsequenz, Kontinuität und Ausdauer.
Der Absolventenverein würde sehr begrüßen, wenn sich weitere Betreibe dem Projekt Benchmark anschließen würde. Betriebswirtschaftliche Erhebungen und Kostenvergleiche sind im heutigen modernen Obstbaubetrieb von fundamentaler Bedeutung. Denn, „nur wer weiß was war, kann wissen was sein wird“ (Kurt Werth)