Wer Südtirols Landwirtschaft mitgestalten will, sollte offen sein für Kooperationen

geschrieben von Christian Gruber

Die Landwirtschaft ist per se ein innovativer Sektor. Man könnte aber auch sagen: Kaum ein Sektor wird so zu Innovationen gezwungen, wie sie. Ständig ändern sich die gesetzli­chen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, hinzu kommen der schleichende Klima­wandel oder plötzliche Unwetter, die ganze Ernten vernichten können.

Viele der Herausforderungen in der Landwirtschaft lassen sich auf zwei Entwicklungen zu­rückführen: auf Konzentrationen im Handel (immer weniger Konzerne haben immer mehr Marktmacht und können immer mehr Preisdruck ausüben) und auf eine ambivalente Zah­lungsbereitschaft von Verbrauchern (für manche Produkte geben sie eigentlich viel zu we­nig aus, für manche zu viel).

Wer diesen Fliehkräften standhalten will oder wer die Zukunft von Südtirols Landwirtschaft aktiv mitgestalten will, greift üblicherweise zu folgenden Rezepten (auch in Kombination):

1.    Steigerung des Marktanteils,

2.    Steigerung der Produktivität,

3.    Steigerung der Qualität.

 

Zu Punkt 1:

Die Steigerung des Marktanteils kann grob durch zwei Wege erreicht werden: Durch Vergrößerung der eigenen Anbaufläche (z.B. durch Zukauf oder Pacht) oder durch Kooperationen mit anderen Erzeugern. Der erste Weg ist mit hohen Investitionen verbun­den, die nur wenige stemmen können. Der zweite Weg ist cleverer und führt zum gleichen Ergebnis. Deshalb haben sich bei uns in den letzten Jahren viele Einkaufs-, Produktions- und Vermarktungs-Genossenschaften herausgebildet, um den großen Konzernen einiger­maßen auf Augenhöhe entgegentreten zu können. Der Preisdruck konnte insbesondere durch eine gemeinsame und dadurch professionellere Vermarktung spürbar gemindert wer­den. Organisationen wie VI.P und VOG sind kaum mehr wegzudenken.

Zu Punkt 2:

Die Steigerung der Produktivität kann meist am ehesten durch das Senken von Kosten im Anlagevermögen erreicht werden. Auch hier setzt sich der Kooperations-Ge­danke immer mehr durch.

Denn Fakt ist: Viele Betriebe in unserer kleinstrukturierten Land­wirtschaft können sich ihren Maschinenpark eigentlich nicht leisten. Der technische Fort­schritt treibt die Anschaffungskosten in die Höhe, weshalb die Hersteller längst versuchen, diese mit Leasing- und langfristigen Wartungsverträgen abzufedern.

Durch Kooperationen wie die Maschinenringe können Produktionsmittel gemeinsam ange­schafft und genutzt werden. Das erfordert zwar entsprechende Absprachen und eine vor­ausschauende Arbeitsplanung, aber es lohnt sich. Das Potential solcher Kooperationen ist meines Erachtens noch lange nicht ausgeschöpft. Und durch gesetzliche Neuerungen wie die sogenannten Netzwerkverträge werden Kooperationen zwischen Betrieben weiter ver­einfacht. Die Betriebe behalten ihre Eigenständigkeit, werden aber dazu ermutigt, umzu­denken: Man muss nicht jede Maschine, die man braucht, besitzen.

Beispiele: Würden drei Apfel-Betriebe gemeinsam ernten, wäre nur ein Traktor mit Anhän­ger und einer mit Stapler nötig (statt jeweils zwei). Neben Anschaffungskosten spart man sich Transportwege ins Magazin, da die Transportkapazitäten zu dritt besser genutzt wer­den können, als wenn jeder Landwirt für sich alleine werkelt (und der Anhänger nicht immer voll beladen ist). Erledigen zwei Landwirte den Baumschnitt gemeinsam, ist nur eine Hebe­bühne nötig etc. Auch Ersatz für den Ausfall von Arbeitskräften, Urlaubsvertretungen (in der Landwirtschaft besonders schwierig) oder flexiblere Arbeitszeiten lassen sich umso leichter realisieren, je enger die Betriebe im Alltag zusammenarbeiten.

Zu Punkt 3:

In die Qualität der Produkte kann man dann investieren, wenn man die Kosten im Griff und Ressourcen übrig hat. Das Streben nach Qualität und Exklusivität sollte aus ei­ner soliden wirtschaftlichen Basis heraus erfolgen – und nicht umgekehrt zu dem Zweck, dass man sich durch hohe Margen bei den exklusiven Produkten eine gewisse Misswirt­schaft bei den weniger exklusiven leisten kann. Diesen Spagat schaffen längerfristig nur ganz wenige Betriebe. Insgesamt wurde in Südtirol die Produkt-Veredelung in den letzten Jahren stark vorangetrieben. Die Wertschätzung der Verbraucher steigt, und durch direkte Vermarktungswege (auch dank dem Internet) ist es für kleine Produzenten leichter möglich, sich dem Preisdruck des Großhandels zu entziehen – zum Wohle der Qualität.

Die Zeiten werden nicht gemütlicher. In Berlin und München kann man sich über Amazon Prime Now bestimmte Waren bereits innerhalb einer Stunde nach Hause liefern lassen – sogar frische Lebensmittel. Das könnte auch auf Südtirol als Pionier-Region zukommen, früher oder später. Daher gilt es, als Betrieb gut aufgestellt und gewappnet zu sein.

Die ROI TEAM CONSULTANT GmbH ist vom Mehrwert gezielter Kooperationen überzeugt und hat als Beratungsfirma etliche Fusionen und eines der ersten Netzwerke in Südtirols Landwirtschaft konzipiert – wenn nicht das erste Netzwerk überhaupt. In diesem Sektor ist es wie bei der Energiewende: Das größte wirt­schaftliche Potential liegt immer noch im Einsparen. Dieses Potential nicht zu nutzen, muss man sich erst einmal leisten können!

Ihr ROI TEAM CONSULTANT Christian Gruber berät Sie gerne zu diesem Thema.