Nahrungsaufnahme oder doch Genuss?

geschrieben von Horst Völser

Essen ist mehr als nur Nahrungszufuhr, zumindest in entwickelten Ländern in denen eigentlich jeder genügend zu Essen hat.

Essen steht in diesen Ländern bei vielen Menschen sinnbildlich für Lebensstil, Genuss, Gesundheit und Individualität. Dies, obwohl immer mehr Menschen sich mit Fertiggerichten „zufriedengeben“ und immer weniger Menschen selbst kochen. Wie ist diese Differenz zu erklären, gibt es überhaupt eine Erklärung?

Es ist klar, nicht für alle ist Essen wirklich ein Genuss, so manche/r die über nicht genügend finanzielle Mittel verfügen sparen bei Essen und Trinken. Für diese Gruppe ist Essen und Trinken weiterhin ganz einfach Nahrungsaufnahme, andere Themen sind diesen Menschen wichtiger.

In der neuen Studie des Zukunftsinstituts werden drei Lebensstile genannt, bei denen „Kulinarik“ eine relevante Rolle spielt.

Die Studie nennt zuerst den Lebensstil „Urban Matcha“ der etwa 8,6% der Menschen angehören. Diese Menschen leben nach dem Grundsatz: Gesundheit und Genuss schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich vielmehr – der Trend nennt sich „Healthy Hedonism“. Gesundheit, also auch gesundes Essen ist wichtig, trotzdem wird der Abschied vom rein funktionalen Essen eingeläutet. Der Weg ist das gesunde und sinnliche Genießen. Diese Menschen achten sehr auf die Qualität ihres Essens, aber auch darauf, es in „sinnlicher Atmosphäre“ zu genießen. Einfach nur Nahrung aufnehmen ist zu wenig, der Genuss wird mit eingeplant.

Als zweiter Lebensstil wird der sogenannte Gutbürger genannt. Etwa 7,2% der Bundesdeutschen Mitbürger pflegen diesen Lebensstil. Sie achten vor allem auf Herkunft, Produktionsmethoden und Inhaltstoffe. Sie wollen Transparenz bei ihren Lebensmitteln und lassen sich diese auch einiges kosten. Sie sind bereit tiefer in die Tasche zu greifen um genau zu wissen woher ihr Essen stammt, wie es produziert und zubereitet wird. Diese Gruppe ist auch jene die häufig kocht und kaum Fertiggerichte einkauft. Sie lagern in ihrem Vorratskeller Lebensmittel für mehrere Wochen. Diese Gruppe kauft sofern die Möglichkeit besteht, direkt beim Produzenten ein. Es ist ihnen wichtig den „Bauer“, sowie seine Art der Produktion kennen zu lernen und dafür nehmen sie sich viel Zeit.

Die „Multiperformer“ hingegen sind Menschen, bei denen der Beruf im Mittelpunkt steht. Sie ordnen vieles im Leben dem Beruf unter und sind bereit mehr und härter zu arbeiten als andere. Gleichzeitig sind sie aber auch jene, die während der Arbeit Lust empfinden und daher das Essen gemeinsam mit anderen während der Arbeit oder in den Pausen genießen – sogar zelebrieren. Etwa 13,5% der Bürger gehören zu dieser Gruppe. Sie kochen weniger als die Gutbürger, dafür sind sie öfter in „Sternenrestaurants“ und in Lokalen zu finden. Diese Menschen verbinden Arbeit, und Freizeit, Geld verdienen und die Freizeitgestaltung. Der Weinkeller solcher Menschen ist häufig mit edlen Tropfen gefüllt, aber auch Bier und / oder Spirituosen werden verkostet und genossen. Immer mehr Unternehmen passen sich diesem Trend an und erweitern die Kantine, ermöglichen Genuss bei der Arbeit, verlangen dafür aber Top Leistung. Schwäche wird nicht toleriert!

Welche Lehre können wir aus diesen Zeilen ziehen, was können wir als Unternehmen, als Unternehmer/innen daraus lernen?
Es gibt ihn nicht den ganz einfachen Kunden, jeder pflegt seine Individualität, versteckt sich ab und zu in der Masse und entscheidet sich bewusst für dies oder doch das andere.

Die Unternehmer müssen transparent agieren und unserem Kunden / unserer Kundin die Möglichkeit geben folgendes zu erkennen: für welche Werte wir mit unserem Unternehmen stehen und was der Kunde / die Kundin von uns erwarten kann. Wir können nicht für alle Kunden attraktiv sein, jedoch können wir versuchen die Besten zu werden – das soll unser Ziel sein.

 

Ich bin neugierig, welchen Lebensstil Sie pflegen, finden Sie sich in einem der vorgenannten Lebensstile wieder oder sind sie doch ganz anders? Würde mich freuen, wenn Sie mir zu diesem Thema schreiben würden.

Horst Völser

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