Keines unserer Kinder möchte unseren Betrieb übernehmen…. Was nun?

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2889Keines unserer Kinder möchte unseren Betrieb übernehmen…. Was nun?
Vera Giuliani

Der Generationenwechsel ist auch bei uns in Südtirol ein sehr aktuelles Thema. Laut einer Erhebung der Handelskammer Bozen befinden sich derzeit über 5.000 UnternehmerInnen im pensionsfähigen Alter und müssen sich die Frage stellen: Wer soll, kann und will in Zukunft meinen Betrieb weiterführen? Dies stellt eine große Herausforderung dar und ist mit einigen Unsicherheiten verbunden, denn jeder Unternehmer und jede Unternehmerin möchte seinen Betrieb, sein „Baby“, auch in Zukunft in guten und erfolgreichen Händen wissen.

Studien zeigen, dass vor allem klein- und mittelgroße Unternehmen am liebsten eine Übergabe innerhalb der Familie bevorzugen. Doch leider ist dies oftmals nicht möglich. In diesem Fall bietet die Übergabe an einen oder auch an mehreren Mitarbeitern eine gute Möglichkeit, dass das jahrelang-aufgebaute Unternehmen eine Zukunft hat. Und diese Möglichkeit bringt einige Vorteile mit sich: Vor allem langjährige Mitarbeiter kennen das Unternehmen, die Mitarbeiter, die Kunden, die Abläufe und Prozesse, den Markt, die Herausforderungen sowie die Chancen. Dabei konnten die Mitarbeiter meist Eigenverantwortung in Teilbereichen des Betriebes übernehmen. Dies sind wichtige Faktoren, die Sicherheit für den Übergeber, aber auch für den/die potenziellen Nachfolger geben. Denn bei einer Übergabe gibt es genügend andere Herausforderungen, denen man sich bewusst sein muss. Egal, ob der Betrieb in die Hände eines Familienmitgliedes, an einen Mitarbeiter oder an eine komplett externe Person geht.

Eine große Herausforderung ist sicherlich die Schaffung eines Vertrauensverhältnisses zwischen den Übergeber und den Übernehmer, den bestehenden Mitarbeitern und auch den Kunden eines Unternehmens. Denn jede Unternehmensübernahme ist mit Änderungen und Umstrukturierungen von Seiten des neuen Verantwortlichen verbunden, die oftmals auch zu Ablehnung und Misstrauen der Mitarbeiter und des Übergebers führen können.

 

Für eine erfolgreiche Umsetzung der Nachfolge spielen die Legitimation, die Bereitschaft und die Fähigkeiten des Übernehmers, aber auch des Übergebers und der Mitarbeiter eine wichtige Rolle:

  • Der oder die Übernehmer müssen die notwendige Legitimation innerhalb des Betriebes erhalten, um die notwendige Verantwortung übernehmen und wichtige Entscheidungen treffen zu DÜRFEN und diese sollten auch von allen Beteiligten angenommen werden.
  • Die Bereitschaft zur Übernahme der Gesamtverantwortung, aber auch der Verzicht an Verantwortung von Seiten des Übergebers und der damit verbundenen Veränderungen im gesamten Betrieb müssen GEWOLLT sein.
  • Zudem müssen die notwendigen Fähigkeiten, wie beispielsweise Branchen- und Marktwissen, unternehmerisches Denken, Teamfähigkeit und Führungsfähigkeit vorhanden sein oder auch gelernt werden KÖNNEN.

Aus diesen Gründen ist es von größter Wichtigkeit, dass die Unternehmensnachfolge frühzeitig geplant wird: Der Übergeber soll genügend Zeit haben, um den richtigen Nachfolger zu bestimmen. Die Übernehmer sollen die Möglichkeit bekommen, schrittweise Verantwortung zu übernehmen. Der Übergeber muss die Zeit haben Verantwortlichkeiten und Aufgaben abzugeben und natürlich sollen sich Mitarbeiter und Kunden auf die neue Situation einstellen dürfen.

 

Lesen Sie dazu den Beitrag „Die emotionale Nachfolge und Ihre Hauptfiguren

 

Quelle:
Handbuch Unternehmensrestrukt urierung, U.Hommel, T.C. Knecht, H. Wohlenberg
www.deutschland-startet.de/unternehmensnachfolge