Ein Werkzeug zur Nachfolgeregelung

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Stefan Huber

Der Begriff der Nachfolgeregelung definiert bereits in sich einen Prozess, welcher über längere Zeit andauert. Dieser Vorgang dient zur Definition, wie, an wen und wann eine Unternehmung oder ein bestimmtes Vermögen weitergegeben wird. Für viele ist dies eine sehr emotionale Zeit, in der oft über die Zukunft eines Lebenswerkes entschieden wird. Häufig wird aus diesem Grund die Nachfolgeregelung immer weiter hinausgezögert, bis diese schließlich durch verschiedene, meist biologische, Gründe aufgezwungen wird.

Wir sprechen von einer Regelung, d.h. es müssen noch keine Entscheidung getroffen werden: Die Grundlage der Entscheidung muss nur gut vorbereitet werden.

Der Grundgedanke dieser Methode ist die emotionsfreie Vorbereitung einer bevorstehenden Nachfolge. Damit ist es möglich einen Prozess zu durchlaufen, in dem man mit objektiven Daten und Fakten eine zukünftige Entscheidung über die Nachfolge regelt.

Per Definition wird ein Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum erstreckt, als Projekt bezeichnet. In diesem Fall ist es sinnvoll, diese Entscheidung über die Nachfolge Schritt für Schritt aufzubauen. Der vorgestellte Prozess dient dabei als Werkzeug bzw. Hilfestellung, um die Nachfolge schließlich strukturiert zu planen.

Die Gesamtheit aller zu übergebenden Unternehmensanteile, Vermögensgegenstände, liquider Mittel usw. werden in diesem Beitrag zur besseren Lesbarkeit mit „Vermögen“ abgekürzt.

Der Weg ist das Ziel                                                                             Zeitplan und Meilenstein

Zu Beginn genügt es, ein zeitliches Ziel zu definieren, welches den Beginn und das Ende des Nachfolgeprozesses eingrenzt. Damit ist es möglich auch ohne genaue Richtung den Entscheidungsprozess anzustoßen. Durch Definition zeitlicher Meilensteine lässt sich dabei der Prozess noch effizienter abstecken. Somit erhält man eine gewisse Sicherheit alles bedacht zu haben. Dieser Zeitplan kann sich ruhig bis zu fünf Jahre erstrecken.

Was kann und will ich übergeben?                                                   Bestandsanalyse

Wie das Vermögen übergeben wird spielt in diesem ersten Schritt keine Rolle. Man sollte sich nur vor Augen führen, welche Vermögensarten übergeben werden sollen. Die Vermögensarten werden in diesem Schritt in Kategorien eingeteilt. Hier können Unternehmensanteile, Vermögensgegenstände, aber auch privates Vermögen angeführt werden. Diese Kategorien können im Laufe der Zeit ergänzt und angepasst werden. Dieser erste Teil bringt den Überblick über das eigene Vermögen.

Ermittlung des Wertes der Kategorien                                             Bewertungsvorlagen

Bei einigen Vermögensarten kann es bedingt durch die Tatsache, dass sich der Wert des Vermögen immer auf den aktuellen Zeitpunkt bezieht, schwierig sein einen definitiven Wert zu ermitteln (Gebäude, Unternehmensanteile usw.). Der zukünftige Wert kann zwar angenommen werden, bleibt aber immer ein Unsicherheitsfaktor.

Trotzdem können Berechnungsvorlagen in diesem Prozessschritt erstellt werden, die eine zukünftige Aktualisierung der Berechnung vereinfachen.

In der Praxis werden im Bereich der Unternehmensanteile Methoden wie die „Multiple-“ oder „Discounted“ Cash-Flow-Methode angewandt. Bei Vermögensgegenständen können außerdem Sachverständige zu Rate gezogen werden, welche die Bewertung professionell vornehmen. Diese Bewertungen durch eine Fachkraft basieren auf rein rechnerischen Methoden, eventuelle strategische oder persönliche Aspekte werden ausgeschlossen.

Liste und Beschreibung potenzieller Übernehmer                         Beschreibung Übernehmer

Wer könnte ein idealer Übernehmer der einzelnen Vermögensarten sein? In diesem Schritt ist es sinnvoll, zwei Überlegungen einfließen zu lassen:

Welche Voraussetzungen benötigt der / die zukünftige InhaberIn um diese/s Vermögen zu verwalten oder zu vermehren? Um Objektivität zu gewährleisten ist es wichtig, in diesem Schritt die Interessen der Vermögensarten als Kriterium zu definieren.

Im zweiten Schritt wird ein Stärken- und Schwächenprofil der potenziellen Übernehmer erstellt. Sollten die Anforderungen und die Kenntnisse gut zueinander passen oder besser noch, deckungsgleich sein, dann ist aus objektiver Sicht eine Entscheidung recht einfach zu treffen.

Zusammenfassung aller Erkenntnisse                                              Zusammenfassung

Es ist empfehlenswert nach den vorhergehenden Prozessschritten, alle wichtigen Informationen auf einen Blick zusammenzufassen. Diese Zusammenfassung objektiver Daten und Fakten gibt dem Übergeber Sicherheit und nimmt die Sorge der Ungewissheit über die Zukunft.

 

Selbst wenn sich jemand sicher ist an wem was übergeben wird, ist es sinnvoll, sich mit den einzelnen Prozessschritten auseinanderzusetzen, um die nötige Sicherheit in der Entscheidungsphase zu bekommen.

Für die endgültige Entscheidung gilt es natürlich noch emotionale Faktoren zu berücksichtigen, welche die eigentliche Schwierigkeit in der Nachfolge widerspiegeln.

Nehmen Sie sich für die Nachfolgeregelung genügend Zeit.

 

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