Die Zukunft der Landwirtschaft

geschrieben von Christian Gruber

1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden im Jahr weggeworfen oder sind Verluste entlang der Wertschöpfungskette. Das ist rund ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel.

 

Europäer sowie Nordamerikaner werfen zwischen 95 und 115 Kilogramm Essen im Jahr im Haushalt weg, vor allem Obst und Gemüse, obwohl ein Großteil noch genießbar wäre. Hinzu kommen Berge von Lebensmitteln, die der Einzelhandel aussortiert. Die Menschen in Afrika und im südlichen Asien werfen dagegen kaum etwas weg. Doch auch dort gibt es große Lebensmittelverluste von über 40 Prozent nach der Ernte und bei den folgenden Schritten, da Lebensmittel unzureichend gelagert, verpackt und gekühlt werden.
Die Gründe für die massenhafte Lebensmittelverschwendung liegen also zum einen in falschen landwirtschaftlichen Methoden und mangelhaften Lager- und Transportmöglichkeiten. Zum anderen akzeptieren Supermärkte nur „kosmetisch perfekte Lebensmittel“ und ermuntern ihre Kunden durch „Zwei zum Preis für eins“-Angebote zum übertriebenen Konsum.

Immer mehr Geldgeber investieren direkt oder indirekt in die Erzeugung und den Vertrieb von Lebensmitteln. Und die beteiligten Konzerne werden immer größer. Konzentrationsprozesse können entlang der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette beobachtet werden. Kleinbauern und regionale Lebensmittelhersteller blieben dabei auf der Strecke.

Das liegt daran, dass die großen Unternehmen mit ihren riesigen Maschinen viel schneller und vor allem billiger produzieren können. Seit dem Beginn der Digitalisierung verschwinden immer mehr Bauernhöfe. Die meisten kleinen landwirtschaftlichen Betriebe sind heute private oder alte traditionsbedingte Höfe.

Die industrielle Landwirtschaft ist in eine Sackgasse geraten: Die in den letzten Jahrzehnten erfolgreichen Methoden der Produktivitätssteigerung, vor allem der Einsatz von Mineraldüngern und Pestiziden, haben die Umwelt schwer geschädigt; ein hoher Ressourcen- und Flächenverbrauch, sowie beträchtliche Treibhausgas-Emissionen sind die Folgen. Die Agrarwirtschaft hat aber die Chance, sich als innovative Zukunftsbranche zu etablieren, die sich nachhaltig in die Umwelt und globale Systeme einordnet. Es gilt eine umweltschonende Wirtschaftsweise anzustreben, um der steigenden Sensibilität in unserer Gesellschaft für Themen wie Gesundheit oder allgemeine Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen nachzukommen. Im Mittelpunkt steht das rückstandsfreie Produkt, das sich aufgrund seiner hohen Qualität, die durch Professionalität und Fortschritte in der biologischen Produktion erreicht wird, einer steigenden Nachfrage erfreut.
Auch in Südtirol nimmt die biologische Landwirtschaft einen wichtigen Stellenwert ein und verzeichnet zudem eine Wachstumstendenz, welche sich an der Nachfrage am Markt orientiert. Qualität und Glaubwürdigkeit nehmen dabei einen hohen Stellenwert ein und werden durch ständige Kontrolle garantiert.

Der Einfluss von Umwelt und Klima in Südtirol erlaubt es, Ware mit Spitzenqualität zu erzeugen. Die Entscheidung, in den fruchtbareren Gebieten Obst- und Weinbau zu betreiben und das Vorhandensein ausgedehnter Grünlandflächen in den Berggebieten gewährleisten mit Sicherheit, dass die Südtiroler Erzeugnisse sich auf den Märkten durchzusetzen vermögen.

Es gibt einen weiteren beachtlichen Spielraum für die qualitative Verbesserung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse Südtirols. Dazu gehören weitere Einschränkung des Einsatzes von Pestiziden und Düngemitteln, Erweiterung der Sortenpalette und Spezialisierung der verschiedenen Obstanbaugebiete; dieser kann auch die Wettbewerbsfähigkeit der Südtiroler Landwirtschaft auf den Märkten zweifellos positiv beeinflussen.

Wie in fast jedem Wirtschaftsbereich wird auch die Agrarwirtschaft den digitalen Fortschritt spüren. Dabei gilt es, Innovationen zu ermöglichen und die Potenziale der Digitalisierung zu nutzen. Hohe Qualität gewinnt immer mehr an Bedeutung und viele Konsumenten sind auch bereit, einen höheren Preis dafür zu bezahlen. Lebensmittel, welche nicht dieser Qualitätsklasse entsprechen, sollten zur Verarbeitung weiterverwendet werden um die Verschwendung derselben zu vermeiden.

Um die Zukunft der Landwirtschaft zu sichern ist ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln und ein Umdenken der Gesellschaft in Bezug auf die Wertschätzung der landwirtschaftlichen Produkte erforderlich.

„Produkte müssen mit Inhalten gefüllt und erklärt werden. Denn nur wenn der Konsument die Ware und ihre Vorgeschichte kennt, lernt er das Produkt zu schätzen und ist bereit, den richtigen Preis dafür zu zahlen.“ (Luigi Rubinell)

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