Die neue Normalität: Transformation

geschrieben von
2939Die neue Normalität: Transformation
Martin Kreil

Vor rund einem Jahr als wir noch ohne Masken ins Büro durften und Corona nur eine Biermarke war, haben wir, ein 2-teiliges Management Memo zum Thema „Transformation“ geschrieben. Transformationsfähigkeit in Unternehmen war für mich immer ein bedeutendes Thema, dachte aber nie, dass es in so kurzer Zeit essenziell sein würde. Jetzt, ein Jahr später, wird Maske getragen, im Büro täglich Fieber gemessen und jede zweite Woche von zu Hause aus gearbeitet.

Es gilt heute mehr als je zuvor: nicht mit dem Kopf gegen die Wand, sondern aufgeschlossen entdecken und erforschen. Amerika kann immer neu entdeckt werden. Nur wer es schafft diese knifflige Situation richtig durchzudenken, kann gestalten und die Erkenntnisse für das eigene Unternehmen nutzen. Es geht also verstärkt um die „menschliche Dimension“. In der Vergangenheit Hemmschuh für nachhaltige Veränderung, heute Haut und Blut der Transformationsfähigkeit. Sie beschrieb nämlich die menschliche Fähigkeit Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.

Ich erkenne folgende Eigenschaften als besonders bedeutend:

  1. Abenteuerbereitschaft: Es hilft nichts, wir brauchen die unternehmerische Abenteuerbereitschaft, die Zukunft aktiv zu bewandern. Angesichts der riesigen Herausforderungen, die damit zusammenhängen, muss unser Fokus verstärkt auf die bedeutenden Chancen gerichtet werden. Nur dann können wir mutig Strategien entwickeln, welche der dauerhaften Veränderung Rechnung tragen. Nicht kurz- sondern mittel- und langfristig.

 

  1. Der menschlichen Dimension den richtigen Stellenwert geben Anpassungsfähigkeit, Zusammenarbeit, emotionale Intelligenz und Resilienz. Wo liegen die menschlichen Dimensionen in Ihrem Unternehmen? Vor lauter organisatorischem Krimskrams sind viele MitarbeiterInnen nicht in der Lage das volle Potential auszuschöpfen. Wir sollten deshalb nicht stur an Job Designs festhalten, die für Schönwetter gemacht waren. Mittlerweile ist ein Sturm aufgezogen und es bringt wenig, wenn die Mannschaft die Ursachenanalyse vertieft und dabei über Bord geht. Stattessen sollte gemeinsam an den Anpassungsmaßnahmen getüftelt und probiert werden. Die Start-Ups zeigen uns wie es geht. Der zukünftige Erfolg dankt es ihnen.

 

  1. Lernfähigkeit in und für Organisationen sicherstellen. Nur mit den menschlichen Dimensionen bringen wir die Lernfähigkeit in die Unternehmen, die wir für die Zukunft benötigen. Denn mit Covid-19 sind die notwendigen Veränderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel nicht verschwunden, sondern lediglich aus dem medialen Fokus geraten. Es geht anschließend also direkt weiter. Natürlich benötigen wir wieder das Streben nach operativer Exzellenz und Optimierung, aber dabei dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass dies nicht das geeignete Umfeld für Transformation ist. Lernfähigkeit benötigt Freiraum, Freigeist und eben wieder Abenteuerlust.

 

  1. Flug auf Sicht beherrschen, aber mit Plan starten. Herausragende Piloten müssen genauso wie UnternehmerInnen und ManagerInnen die Fähigkeit besitzen auch auf Sicht zu fliegen. Das wird vielerorts gemacht und teilweise mit mehr als respektablem Erfolg. Dies kann und sollte aber bestenfalls die Ausnahme bleiben. Denn mit allen Schwierigkeiten sollten wir zurückfinden zu den Fähigkeiten „Zukunft klar zu denken“, „Ziele zu formulieren“ und „unsere Vorgehensweise zu planen“. Denn letztlich heißt das auch in Möglichkeiten zu denken (z.B. Szenarien) und für diese Möglichkeiten Lösungen vorzubereiten. Es ist ohne Zweifel ein Mehraufwand, aber ein lohnender Mehraufwand. Reminder: Wir halten die Steuerung in der Hand.

 

  1. Willenskraft bei der Suche des neuerlichen Erfolges. Disziplin, Vorbild als Führungskraft sein, Charisma und Menschen für den steinigen Weg zu begeistern. Das sind keine neuen Eigenschaften, aber jene von erfolgreichen Führungskräften in der Transformationsphase. Dafür sind vielseitige Kompetenzen gefragt, aber vor allem die Willenskraft, um den Veränderungsprozess zum Erfolg zu führen. Kurzfristige Verbesserungen halten den Prozess am Laufen, langfristig muss es aber zu einer wahren Wertsteigerung führen.

 

So gelingt Transformation. Das eigene Unternehmen ist nachher wettbewerbsfähiger als je zuvor, weil es im richtigen Moment substanziell nachhaltig verändert wurde.

 

Robert Merton (amerikanischer Soziologe) „Der Zufall begünstigt nur den vorbereiteten Geist.“

 

Quelle: Die menschliche Dimension“, absatz-wirtschaft 1/2 21, S. 6; „Ankommen“, brand-eins, 01 21, S 36; Bild: https://hrmcdn-13a1c.kxcdn.com/images/hr-hk/content-images/digital-transformation-_ibm.png