Culture eats strategy for breakfast, oder?

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Stefan Huber

Als ich die Vorlesung strategisches Management besucht habe, hatten wir eine Aufgabe: die Ausarbeitung einer PESTEL Analyse am Beispiel unseres Heimatlandes. Das Ziel dieser Analyse ist es, das Aufdecken von makroökonomischen Faktoren in einem bestimmten Gebiet oder Markt, die auf ein Unternehmen wirken können. Das heißt: Welche Risiken bestehen für meine Strategie durch externe Faktoren, die zum Teil nicht vermeidbar sind? Eine Analyse, die mir damals so verdammt „dämlich“ vorkam. Als naiver Student hätte ich mir niemals erträumen können, jemals eine solche Analyse im Berufsleben anwenden zu müssen. Jetzt erscheint sie mir lebensnotwendig. Trotzdem: Auf den ersten Blick scheinen die Komponenten der PESTEL-Formel sehr weit hergeholt:

PESTEL steht für:

P… Politische Einflussfaktoren

E… Wirtschaftliche Einflussfaktoren

S… Sozio-kulturelle Einflussfaktoren

T… Technologische Einflussfaktoren

E… Ökologische- Geographische Einflussfaktoren

L… Rechtliche Einflussfaktoren

Diese Einflussfaktoren lassen sich in bestimmten Staaten relativ einfach bestimmen.

Es ist kein Geheimnis, dass der italienische Staat in Vergleich zu seinen Nachbarländern eine erhöhte steuerliche Last, eine hohe Staatsverschuldung und geringe Perspektiven für junge, motivierte, sehr gut ausgebildete Menschen vorweist.
Das Benchmark-Beispiel wäre Silicon Valley in Kalifornien. Dort wurde ein Ort geschaffen in der Innovation an Nummer eins steht. Dank einer klugen Idee eines Stanford Professors, der ungenutztes Land im Eigentum der Universität und Kapital an Studenten zur Verfügung gestellt hat. HP (Hewlett & Packard), eines der größten Unternehmen im Bereich Computer und Technik, waren die ersten Studenten, die in dieses Programm aufgenommen wurden. Andere der erfolgreichsten Tech-Unternehmen haben in Silicon Valley ihren Traum gefunden, umzingelt von den renommiertesten Universitäten. Die Innovationen und Wissensübermittlungen auch zwischen den sich konkurrierenden Unternehmen ergeben sich aus deren Nähe zueinander.

Es gibt Orte auf der Welt, in der diese Analyse vielleicht überflüssig erscheint, aber dennoch in einem Strategiefindungsprozess relevant ist. Die Vorhersage und Analyse makroökonomischer Risiken kann dabei helfen, die eigene Strategie zu festigen. Dabei ist es unumgänglich sich die richtigen Fragen zu stellen:

  • Wie kann die politische Situation im eigenen Land die Industrie beeinflussen?
  • Welche kulturellen Aspekte gilt es im eigenen Land zu berücksichtigen?
  • Gibt es rechtliche Restriktionen, oder potentielle Risiken aus der staatlichen Gesetzgebung für die Industrie?

Zahlen zum Wirtschaftswachstum, Bevölkerungszahl, Zinsniveau, Inflationsrate Bruttoinlandsprodukte und Daten zum Import- und Export sind zudem fundamental für eine Einschätzung der Risiken.

Nichts desto trotz beweist unsere Corona Zeit, dass auch Risiken, die unmöglich erscheinen, trotzdem eine Welt zum Erstarren bringen können.

Nicht die Firmenkultur hat die Strategie zum wanken gebracht, sondern ein unsichtbarer Feind hat die Ziele so mancher Unternehmen zum Frühstück gefressen.

Diese Zeiten zeigen aber auch wie erfinderisch manche Unternehmen werden. Strategie bedeutet genau das: einen zukünftigen Weg zu gehen und trotzdem flexibel genug zu sein, um langsamer gehen zu können und ggf. einen Umweg zu finden. Das Ziel soll dasselbe bleiben.

Hat sich Ihre Strategie in dieser Pandemie-Zeit verändert? Gehen Sie die Dinge anders an? Gerne würden wir Ihre Geschichte und Erfolgsfaktoren hören.

 

Quelle: Infoblatt Silicon Valley, Mirko Ellrich, Maxie Pape, Ernst Klett Verlag, 2019