Betriebsübernahme: Meine Erfahrungen!

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Manuela Riegler

Die Unternehmensnachfolge ist eine unternehmerische Herausforderung, die mit Risiken, Freude und vor allem mit Emotionen verbunden ist.
Eine Familie ist mit ihrem Unternehmen persönlich verwurzelt und identifiziert sich mit ihm. Jedes Familienmitglied leistet auf seine Art und Weise einen Beitrag zum gemeinsamen Erfolg.
Bei der Übergabe an ein Familienmitglied ist es deshalb umso wichtiger, die fachlichen und persönlichen Qualifikationen des Übernehmers zu prüfen. Kinder sollten sich für die Geschäftsleitung qualifizieren, gleichzeitig müssen sich aber die Familienmitglieder im Klaren sein, ob ausreichend Interesse besteht.
Bei nicht ausreichender Qualifikation oder keinem Interesse MUSS man den MUT haben, NEIN zu sagen. Ansonsten kann es zu Rollenkonflikten kommen:

Innerhalb der Personen -> Überforderung
Innerhalb des Teams ->
Erwartungen der Mitarbeiter nicht erfüllt

 

Ich werde Nachfolgerin!

Meistens ist man bereits als Kind mit dem Unternehmen vertraut. Erste Einblicke wurden bereits früh gewonnen. Doch bis nicht tatsächlich von einer Nachfolge gesprochen bzw. der Prozess gestartet wird, hat man oft nur einen Blick von „außen“.
Einige Fragen, die ich mir gerade stelle, da ich mitten im Nachfolgeprozess stecke, sind u. a.: Wie soll ich mit den Mitarbeitern umgehen? Wann soll ich die Verantwortung übernehmen? Wie soll ich mich gegenüber meinen Kunden verhalten und neue Kunden akquirieren? Wie reagiere ich, wenn ich nicht akzeptiert werde? Wie soll ich das Unternehmen weiterentwickeln? Es gibt noch hunderte solcher Fragen, die man sich vor der neuen Herausforderung stellt.

Doch diese Fragen werden und können nicht vorab beantwortet werden. Zunächst ist es wichtig, eine klare Aufgabenverteilung zu definieren.
Vieles ist neu und in vielen Dingen muss man sich erst hineindenken. Umso wichtiger ist es, Schritt für Schritt in das Unternehmen hineinzuwachsen – wenn möglich mit Hilfe des Übergebers.
Zudem ist es wichtig, dass Mitarbeiter in den wichtigsten Meilensteinen miteingebunden werden. Entscheidungen sollen laufend mitgeteilt werden, sodass etwas „böses Unerwartetes“ verhindert oder sogar verweigert wird, ganz nach dem Motto: Das haben wir nie so gemacht.

 

Faktoren einer erfolgreichen Weitergabe innerhalb der Familie:

 

Wie auch die Grafik zeigt, ist OFFENHEIT und klare KOMMUNIKATION sehr wichtig.
Ich soll mit meinem Übergeber über meine Gefühle, Ängste und Ideen sprechen können – und umgekehrt. Aus eigener Erfahrung können nur so Konflikte und Probleme vermieden oder frühzeitig aus dem Weg geschaffen werden. Und wenn ehrliche und offene Gespräche nicht möglich sind, oft auch durch Angst, sollte eine externe Person miteinbezogen werden. Denn beide Parteien müssen mit der Entscheidung zufrieden sein – nur so kann zum Wohle des Unternehmens gehandelt werden.

 

Die Nachfolge ist keine Spontan-Aktion; sie muss geplant und stufenweise gestaltet werden. Deshalb gilt, frühzeitig mit der Planung beginnen, damit die Übergabe erfolgreich funktioniert.

Und wenn die Ungeduld manchmal in den Vordergrund rückt, sollte man sich dieses Zitat im Hinterkopf behalten:

„Wie alles, was reifen soll, braucht auch die Übergabe eines Familienunternehmens Zeit.“
D. Mueller-Hariu

 

Quellen:
Buch: Generationswechsel im Familienunternehmen von Dieter Müller-Harju
Vortrag Horst Völser
https://www.existenzgruender-jungunternehmer.de/p/unternehmensnachfolge/familienunternehmen.html
Statista.com