Und wer zahlt’s?

geschrieben von Moritz Jäger

Neulich an einer ansich ungefährlichen Kreuzung in Bozen. Eine Fußgängerin überquert plötzlich die Straße, obwohl sie Rot hatte. Sie war so in ihr Smartphone vertieft, dass sie die Ampel ignorierte. Wenn die Autofahrer nicht rechtzeitig gebremst hätten, hätte das böse ausgehen können…

In China gibt es eigene Gehsteige für Handynutzer. Ein Gag. In Augsburg und München werden Boden-Ampeln getestet, damit Handynutzer den Kopf nicht heben müssen, wenn sie Trambahngleise überqueren (siehe Bild). Ein teurer Gag!

Mir geht es nicht um die Risiken der Handynutzung im Straßenverkehr. Die sollten jedem bewusst sein. Mich beschäftigt etwas anderes: die Diskrepanz zwischen Voll-Kasko-Mentalität einerseits und Verantwortungslosigkeit andererseits.

In Österreich klagt ein Spielsüchtiger gut 40.000 Euro von einer Glücksspiel-Automaten-Firma ein, weil er beim Zocken nicht geschäftsfähig gewesen sei. Er bekam vor dem Oberlandesgericht Wien auch in zweiter Instanz Recht (Urteil noch nicht rechtskräftig).

Das erinnert an Raucher, die Tabakfirmen verklagen; oder an jene Lady, die sich mit McDonald’s-Café verbrühte. Für normale Lebens-Erfahrungen winken in Amerika mitunter irrwitzige Schadensersatz-Summen.

Welche Risiken akzeptieren wir, welche Sicherheiten brauchen wir wirklich? Boden-Ampeln sind nur ein weiteres Beispiel dafür, wie wir unsere Bequemlichkeit in Beton gießen. Kostet „nur“ Geld.

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