Sind in Südtirol zu viele Touristen?

geschrieben von Teresa Neulichedl

Immer wieder hört man die Aussage: „es sind zu viel Touristen in Südtirol“. Wie abhängig sind wir eigentlich vom Tourismus?

Der Tourismus ist in vielen Gebieten Südtirols zum wichtigsten Arbeitgeber geworden und hat dadurch zur Entwicklung speziell der peripheren Orte beigetragen, indem junge Menschen dort Arbeitsplätze gefunden haben und sich neue Existenzen aufbauen konnten.

Insgesamt sind aber „nur“ 18% der Südtiroler Unternehmen und nur 14% der Einwohner in der Gastronomie tätig. Könnten wir diese Menschen auch in anderen Sektoren unterbringen?

Die meisten vergessen dabei allerdings, dass die Gastronomie Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft hat. Laut Südtiroler Wirtschaftszeitung sind folgende Unternehmen unter den 25 größten Südtirols (nach Umsatz):

  • Alperia – Energie
  • Technoalpin – Beschneiungsanlagen
  • Bergmilch Südtirol – Milch und Milchprodukte

Jeder Haushalt, aber vor allem auch Hotels und Gaststätten brauchen viel Energie und so erwirtschaftet Alperia seinen Umsatz. Die Technoalpin ist für die Beschneiungsanlagen auf unseren und internationale Skipisten zuständig. Die Skipisten könnten sich heute ohne Touristen nicht mehr tragen und die Technoalpin könnte in Südtirol keine neuen Schneekanonen mehr verkaufen. Die Bergmilch Südtirol liefert Produkte an die Gastronomie in Südtirol und kann dort einen Teil seines Umsatzes erzielen.

Von der Gastronomie profitieren aber nicht nur die Großen, sondern auch die Kleinen: jeder Tischler, der für Hotels Möbel fertigt, jedes Weingut, das Wein an die Gaststätten verkauft und jeder Getränkelieferant, der die Bar beliefert, lebt zum Teil von der Gastronomie.

Und das sind nur diejenigen, die direkt vom Tourismus profitieren. Indirekt profitieren wir nämlich alle davon. Ohne diese Unternehmen wären Arbeitsplätze knapp und gute Mitarbeiter würden abwandern. Dadurch könnte eine Kette entstehen indem kleine Dörfer aussterben, Unternehmen schließen und Südtirol einen Teil seines Wohlstandes verliert.

Dies sollte uns zu denken geben, vor allem in den überfüllten August-Tagen. Wir sollten froh über den Ansturm auf unseren wunderschönen Wanderwegen sein.

 

 

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